Der Geburtsvorgang lässt sich in 3 Phasen unterteilen:

  1. Entsperrungsphase
    Dies ist die erste Phase: Die Gebärmutter beginnt sich zusammenzuziehen und das Fohlen beginnt, sich in die richtige Position zu drehen. Die Stute wird unruhig, beginnt eventuell leicht zu schwitzen und zeigt Koliksymptome.
  2. Ausstoßungsphase
    Diese Phase folgt der Entsperrphase. Die blaue Wasserblase platzt und das Fohlen dreht sich mit den Vorderbeinen im Geburtskanal in Richtung Vulva. Die Stute beginnt zu pressen und normalerweise wird das Fohlen innerhalb von 20 Minuten geboren. Ein Fohlen befindet sich in Normallage in einer Tauchposition: Zuerst erscheinen die Vorderbeine, gefolgt vom Kopf und dem restlichen Körper.
  3. Nachgeburt
    Normalerweise verlässt die Plazenta (= Nachgeburt) die Stute innerhalb einer Stunde. Manche Stuten haben noch Nachwehen, bis die Plazenta herauskommt.
    Innerhalb von 10 Minuten reißt die Nabelschnur auf natürliche Weise durch die Bewegungen des Fohlens und/oder der Stute. Die Stute leckt das Fohlen komplett sauber und trocken. Es dauert etwa zwei Stunden, bis das Fohlen selbstständig von der Stute trinkt. Das Kolostrum (= erste Muttermilch) ist für die Antikörper des Fohlens sehr wichtig. Das Kolostrum erleichtert den Abgang des Mekoniums (des ersten Kots des Fohlens). Das Mekonium ist dunkel, zäh und klebrig.

 

Der Geburtsvorgang einer Stute ist ein rasend schneller Prozess, bei dem leider auch mal etwas schiefgehen kann. Wann sollten Sie (sofort) den Tierarzt rufen?

  • Die Stute presst seit mehreren Minuten stark, die Wasserblase ist geplatzt, Hufe sind jedoch nicht mehr zu sehen. Fohlen in abnormalen Positionen können in den meisten Fällen nicht ohne Hilfe geboren werden. In den meisten Fällen kann der Tierarzt helfen, das Fohlen richtig zu drehen.
  • Lieferung im roten Sack: Es kommt ein dunkelroter, harter „Sack“ in Sternform heraus. Die Plazenta löst sich von der Gebärmutter und kommt zusammen mit der Fruchtblase und dem Fohlen heraus. Schnelles Rufen/Eingreifen ist für das Fohlen lebenswichtig!
  • Die Plazenta (= Nachgeburt) löst sich nicht. Im Durchschnitt dauert es 45 Minuten bis mehrere Stunden. Wenn die Plazenta nach 3 Stunden nicht geboren wurde, ist es wichtig, den Tierarzt zu kontaktieren. Wenn die Plazenta nicht ausgestoßen wird, kann die Stute sehr krank werden.
  • Die Nachgeburt ist unvollständig. Überprüfen Sie stets, ob die Plazenta vollständig ausgestoßen wurde, um Erkrankungen der Stute vorzubeugen.

Wie überprüft man die Nachgeburt? Suchen Sie das Loch, aus dem das Fohlen kam (siehe Stern auf dem Foto) und legen Sie es auf den Boden. Als nächstes gibt es zwei Enden der Gebärmutterhörner und der Nabelschnur. Formen Sie mit den Enden ein F (siehe Foto). Bewahren Sie die Nachgeburt im Zweifelsfall in einem Eimer auf und decken Sie ihn mit einem feuchten Küchenhandtuch ab, damit der Tierarzt die Nachgeburt kontrollieren kann.

Gesundes Fohlen und dann?

Das Fohlen kam gesund zur Welt und die Geburt verlief problemlos. Worauf sollten Sie achten? Nach der Geburt sind die Augen geöffnet und der Saugreflex sollte vorhanden sein. Das Fohlen atmet ruhig und regelmäßig. Nach einigen Minuten hebt das Fohlen seinen Kopf und beginnt zu zittern. Innerhalb von 5 bis 10 Minuten legt sich das Fohlen in Brustbeinposition hin. Nach einer halben Stunde beginnt das Fohlen zu stehen und normalerweise trinken Fohlen ihre erste Milch innerhalb einer bis eineinhalb Stunden nach der Geburt. Das Mekonium (= erster Stuhlgang) tritt meist nach 2 Stunden auf. Hier kann es zu einer Anspannung des Fohlens kommen. Der erste Urin tritt erst nach 9 Stunden auf.

 

Kommt das Fohlen nicht in Schwung, hängen die Ohren herunter, möchte das Fohlen nicht trinken usw.? Rufen Sie bei Unsicherheiten oder Zweifeln immer den Tierarzt an. Fohlen sind sehr verletzlich und besonders die ersten Stunden sind entscheidend. Eine (zusätzliche) Untersuchung beim Tierarzt ist kein unnötiger Luxus